Vom Whānau-Gedanken der Māori bis zum wegweisenden Bericht Puao-te-Ata-tū: In Aotearoa Neuseeland entstand ein Modell, das heute weltweit Familien stärkt – und das bei levelUP das Herzstück unserer Arbeit ist. Ein Blick auf den Ursprung des Familienrats.
Ein Modell mit Wurzeln in Aotearoa Neuseeland
Der Familienrat – international bekannt als Family Group Conference (FGC) – ist keine Erfindung am Schreibtisch. Er entstand Ende der 1980er-Jahre in Neuseeland, das in der Sprache der indigenen Māori Aotearoa („Land der langen weißen Wolke“) heißt. Seine Grundidee ist so einfach wie kraftvoll: Nicht Behörden entscheiden über den Kopf einer Familie hinweg, sondern die Familie selbst entwickelt – gemeinsam mit ihrem sozialen Umfeld – einen tragfähigen Plan für ein Kind.
Whānau: Die Kraft der erweiterten Familie in der Māori-Kultur
Diese Haltung ist tief in der Kultur der Māori verankert. Zentral ist der Begriff Whānau – die erweiterte Familie, die weit über Eltern und Kinder hinausreicht und Großeltern, Tanten, Onkel und nahe Bezugspersonen einschließt. In der Tradition der Māori werden wichtige Entscheidungen nicht allein getroffen, sondern gemeinsam im Hui, einer Zusammenkunft, in der alle Beteiligten gehört werden.
Verantwortung für das Wohl eines Kindes trägt in diesem Verständnis nicht eine einzelne Person und schon gar nicht ausschließlich der Staat, sondern die Gemeinschaft. Genau dieser Gedanke – die Familie hält die Lösung bereits in sich – bildet bis heute das Fundament jedes Familienrats.
Puao-te-Ata-tū – der „Tagesanbruch“ von 1988
In den 1980er-Jahren wuchs in Neuseeland die Kritik am staatlichen Kinder- und Jugendhilfesystem. Auffällig viele Māori-Kinder wurden aus ihren Familien genommen und in Einrichtungen oder Pflegefamilien untergebracht – oft ohne Rücksicht auf ihre kulturelle Herkunft und ihr Whānau.
1988 legte ein Beratungsausschuss dem Sozialministerium einen Bericht vor, dessen Name Programm wurde: Puao-te-Ata-tū – „Tagesanbruch“. Er benannte offen den institutionellen Rassismus im Hilfesystem und forderte einen grundlegenden Kurswechsel: weg von der bevormundenden Fremdunterbringung, hin zu Verfahren, die Familien einbeziehen und ihre kulturellen Wurzeln achten. Der Bericht wurde zum moralischen und politischen Weckruf einer ganzen Reform.
Vom Bericht zum Gesetz: der Meilenstein von 1989
Aus diesem Weckruf wurde Gesetz. Mit dem Children, Young Persons, and Their Families Act 1989 verankerte Neuseeland als erstes Land der Welt den Familienrat als zentrales Entscheidungsinstrument der Kinder- und Jugendhilfe. Seither gilt: Bevor der Staat eingreift, erhält die Familie die Gelegenheit, im geschützten Rahmen selbst einen Plan zu erarbeiten.
Von Neuseeland aus trat das Modell seinen Weg um die Welt an – über Großbritannien und Skandinavien bis nach Mitteleuropa. Überall bewährt sich dasselbe Prinzip: Familien, die aktiv beteiligt werden, tragen ihre Lösungen mit und setzen sie nachhaltiger um.
Was der Ursprung für den Familienrat bei levelUP bedeutet
Wenn wir bei levelUP einen Familienrat moderieren, arbeiten wir mit genau dieser Haltung: Wir bringen unsere fachliche Erfahrung ein, treffen aber keine Entscheidungen für die Familie. Wir schaffen den Rahmen, in dem eine Familie und ihr Umfeld ihre eigenen Antworten finden – ressourcenorientiert, respektvoll und auf Augenhöhe. Der Weg von den Māori über Puao-te-Ata-tū bis in unsere Praxis in Kärnten zeigt: Die besten Lösungen entstehen dort, wo Menschen ernst genommen werden.
Mehr über Ablauf und Möglichkeiten erfahren Sie auf unserer Seite zum Familienrat bei levelUP.
Über den Autor
Stefan Weisbach, MA MSc ist Teil der Geschäftsführung von levelUP, Psychologe und Psychosozialer Berater. Als zertifizierter Koordinator des Familienrats und Lehrender im Bereich Soziale Arbeit und Familienrat begleitet er Familien und bildet Fachkräfte aus.